Es gibt ja viele Möglichkeiten die Milchstraße zu fotografieren. Singleshots, Stacken, Nachführen, mit kleiner Brennweite, mit großer Brennweite usw.
Was davon das Beste ist, hängt zum einen von den persönlichen Vorlieben, dem Können, aber auch dem Equipment ab.
Ich wollte mich heute mal damit beschäftigen ob es besser ist nachzuführen oder reichen Singleshots.

Ein Vergleich ist natürlich nicht ganz einfach und auch mein Test ist jetzt nicht das Maß aller Dinge. Auch hier gilt, wo fotografiert man, mit was für einer Kamera fotografiert man und welche Objektive werden verwendet.
Hat man z.B. eine kleine Kamera und ein lichtschwaches Objektiv, kann man das mit einer Nachführung kompensieren.

Ich nutze jetzt aber eine Kamera die hohe Iso verträgt und auch ein Objektiv, das mit f 2.0 sehr lichtstark ist. Bringt da eine Nachführung ein Mehrwert oder ist es egal.

Mit dieser Frage habe ich mich in diesem Test beschäftigt.

Zum Einsatz kam:
1. Sony a7s (modifiziert)
2. Tokina Firin 20mm, f 2.0
3. Nachführung: Omegon LX3

Aufgenommen habe ich am Rande des Soonwald (Nahe Bad Kreuznach). Ich würde sagen, ein schlechter Bortle 4 Himmel. Schlecht deshalb, da laut App es angeblich 4 sein soll, ich aber schon deutlich bessere Bortle 4 Himmel gesehen habe.

Ich habe 4 Aufnahmen gemacht und immer das gleiche Licht auf dem Sensor gebannt. Wenn ich die Zeit erhöht habe, habe ich die Blende geschlossen bzw. die Iso reduziert, so dass es wieder gleich hell war.
Und da haben wir auch schon das erste Problem. Durch die Nachführung hätte ich ja auch Zeit erhöhen können, ohne etwas anderes zu senken, damit wäre aber mehr Licht auf den Sensor und dann ist auch klar, dass die Milchstraße mehr Details hätte.
Ich habe deshalb als Ausgangswerte Iso 6400, f2 und 15 Sekunden genommen. Mehr wäre dort nicht gegangen, da sonst die ersten Stellen ausgebrannt wären.
Daran sehen wir schon, dass die Nachführung immer was bringt, wenn man nicht an die Grenzen kommt.
Beispiel: Kamera schafft nicht mehr als Iso 3200, Zeit geht nicht mehr als 15Sek und die offenste Blende wäre 2.8. Ist der Himmel jetzt relativ dunkel, würde da einfach zu wenig Licht auf den Sensor kommen. In dem Fall wäre eine Nachführung eine gute Investition. Man könnte z.B. 120 Sekunden belichten und hätte somit 4 Blenden mehr an Licht auf dem Sensor.

Genug geschwafelt, schauen wir uns mal die Bilder an.

 

  • Unbearbeitete Aufnahmen

Das sind die 4 Bilder, wie sie aus der Kamera rauskamen (Raw-Aufnahme). Unbearbeitet und volle Größe.

 

Das ist ein erster Crop. Für mich noch kein großer Unterschied. Was mir allerdings auffällt, hier sieht man jetzt schon den Stareater der Sony. Bei der langen Aufnahme wirkt es, als wären weniger Sterne zu sehen. Wer den Stareater nicht kennt. Ursprünglich war der Sinn von Sony, dass bei langen Belichtungen das Rauschen reduziert wird. Ein Nebeneffekt war aber, dass auch Sterne verschwinden. Ich fand das ja lange auch nicht gut, inzwischen denke ich mir aber, eigentlich doch eine gute Sache. Für gewöhnlich reduziere ich in der Bearbeitung Sterne damit man z.B. mehr Details sieht. Wie das geht habe ich übrigens hier geschrieben.
https://photonengrafie.com/tutorials/sterne-verkleinern/

 

Hier noch ein weiterer Crop. Hier kann man jetzt schon sehen, dass das Rauschen mit der Länge der Aufnahme abnimmt. Sterne sind auch bei der längsten Aufnahme am wenigsten vorhanden. Was noch auffällt, die Sterne bei der 120 Sek Aufnahme haben mehr Farbe. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht liest das ja jemand der dazu was sagen kann.

 

 

  • Raw-Entwicklung

Jetzt habe ich alle Bilder mit Camera Raw entwickelt und ein bisschen bearbeitet. (nur Camera Raw) Weißabgleich, Lichter, Gradationskurve, Milchstraße etwas hervorgehoben.
Das ist wieder der komplette Bildausschnitt. Da ist für mich jetzt auch kein wirklicher Unterschied zu sehen.

 

Hier jetzt wieder ein erster Crop. Hier sieht man jetzt Unterschiede was das Rauschen angeht und auch sehr deutlich wie der Stareater vor allem beim letzten Bild Sterne reduziert hat. Gefällt mir aber irgendwie 😉

 

Hier noch ein weiterer Crop. Jetzt sieht man den Unterschied noch deutlicher wie das Rauschen weniger wird.

 

 

  • Finales Bild

Das wäre jetzt die finale Bearbeitung. Kompletter Bildausschnitt. Was ich interessant finde, dass die Farbe von dem Bild ohne Nachführung fast schon einen kleinen Grünstich hat. Eine Erklärung habe ich dafür nicht. Gemacht wurden die Bilder direkt hintereinander.
Auch hier wieder, auf den ersten Blick, ist da für mich kein großer Unterschied zu erkennen.

 

Im ersten Crop, erkennt man aber wieder ein deutlich stärkeres Rauschen. Es nimmt dann auch von Bild zu Bild ab.

 

In dem Crop ist es dann noch besser zu sehen. Was interessant ist, dass das Bild 2 mehr rauscht als Bild 3, obwohl beide mit derselben Iso geschossen sind. Ob das am Stareater liegt? Der soll ja mit der Länge der Belichtung immer stärker zuschlagen. Ich würde es fast mal vermuten.

 

Was bedeutet dieses Ergebnis jetzt für mich und meine Art zu fotografieren? Werde ich jetzt eher mit Nachführung oder ohne Fotografieren?

Ich habe hier mal aus meiner Sicht, die Vor- und Nachteile von Bildern mit Nachführung aufgelistet.

Vorteile:
1. weniger Rauschen

2. Man bekommt mit kleineren Kameras mehr Licht auf den Sensor, was mehr Details in der Milchstraße bringt.

3. Man kann sich teure Lichtstarke Objektive sparen, braucht nicht zwingend High Iso Kameras.

 

Nachteile:
1. Man muss immer mindestens 2 Bilder machen. Durch die Nachführung verschwimmt der Vordergrund. Man hat in der Bearbeitung einen deutlich höheren Aufwand. Vor allem wenn Bäume sehr nahe sind. Das bekommt man nicht immer sauber gelöst.

2. Nachführung muss ausgerichtet werden. Merkt man nach dem Testfotos, dass einem die Komposition nicht gefällt, muss man erneut ausrichten. Gerade wenn die Milchstraße nicht lange zu sehen ist, geht da wertvolle Zeit verloren.

3. Mehr Gepäck. Vor allem bei längeren Touren stört manchmal jedes weitere Kilo.

 

 

Wie so oft, gibt es hier auch kein klares …. das ist besser. Es gibt Situationen da ist es mit Nachführung besser, und in anderen wieder ohne. Beides hat also seine Berechtigung. Gerade bei Panoramen kann man meiner Meinung nach auf eine Nachführung verzichten, da durch das Reduzieren der Bildgröße, das Rauschen stark abnimmt. Will man aber mehr Details und greift auf ein 50mm objektiv zu, macht es natürlich deutlich mehr Spaß, wenn man 30, 60 oder sogar 120 Sekunden belichten kann.
Auch für Leute, die eine kleinere APSC Kamera haben, kann eine Nachführung Wunder wirken. Man muss die Kamera nicht quälen, kann bequem Iso 800 einstellen, belichtet 2min und man bekommt eine Menge Licht auf den Sensor.

Und genauso werde ich es auch machen. Bei Panos werde ich vermutlich in den meisten Fällen auf die Nachführung verzichten. Bei Projekten mit größerer Brennweite, werde ich sie jetzt öfter zum Einsatz kommen lassen.

Wie siehst du das? Lässt du die Nachführung jetzt daheim, oder kaufst du dir sogar eine. Schreib mir ruhig mal deine Meinung zu dem Thema.
Wenn es etwas gibt, über was ich mal Schreiben soll, lass es mich wissen.

 

Liebe Grüße

 

Felix

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