Die beste Zeit, um den kompletten Bogen der Milchstraße zu fotografieren, ist im Frühjahr/Frühsommer. In dieser Zeit steht die Milchstraße noch relativ tief. Während man in den Monaten März und April teilweise nur eine Reihe fotografieren muss, sind es ab Mai schon 2. Je später es wird, desto größer wird der Bogen und reicht dann im Spät-Sommer schon über den Zenit hinaus.

Was genau heißt das?

Wenn man versucht die Bilder zu stitchen (zusammenzufügen), klappt das je nach Programm gar nicht oder aber die Bilder sind komplett verzogen.

Hier mal 2 Beispiele wie es aussehen kann.

Beispiel 1: Hier sieht die Milchstraße ordentlich aus, also die Sterne sind nicht verzogen, aber der Horizont ist komplett verbogen.

Ein Bild, das Himmel, draußen enthält.

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Beispiel 2: Hier sind die Sterne am Rand verzogen, dafür aber der Horizont gerade.

Ein Bild, das Himmel, draußen enthält.

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Beides ist natürlich keine Lösung. Man könnte natürlich jetzt das Beispiel 2 nehmen und noch etwas beschneiden, aber für mich käme das nicht in Frage. Der Rand oben ist einfach hässlich. Das Bild ist Ende August entstanden. Die Straße ging also senkrecht nach oben.

Warum ist das überhaupt so?

Der Grund ist relativ einfach. Die Erde ist eine Kugel. Wer schon mal 360 Grad Panos gemacht hat, weiß das man für den Zenit nur 1 Bild braucht. Und je nach Brennweite für die Reihe darunter nur 4 Bilder aber für die Reihen um den Horizont z.B. 12 Bilder. (So mache ich es, wenn ich mein 28er Objektiv nehme.)
Angenommen man hat ein 3 Reihiges Pano gemacht, wie hier im Beispiel zu sehen. Reihe 1 und 2 waren 7 Bilder und Reihe 3 wo der Zenit bzw. der obere Teil der Milchstraße mit drauf ist, nur 4 Bilder. Da ein Foto ja nur in 2 D dargestellt wird, hat man jetzt für den oberen Teil weniger Bilder zur Verfügung, aber dennoch die gleichen Sterne die sich überschneiden, wie für den unteren Teil. Also muss dieser Teil gezehrt werden. Es ist etwas schwer zu erklären. Ich hoffe das Bild hilft da ein bisschen.
Man sieht hier ganz gut. Bild 8 ist das Rand Bild aus Reihe 2 und 18 das Rand Bild aus Reihe 3. Beide haben z.B. Cassiopeia mit drauf. Bild 18 hat aber nach oben hin noch ein paar mehr Sterne, und zwar die aus dem Zenit. Diese werden dann jetzt verzehrt dargestellt.

Ein Bild, das Monitor enthält.

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Muss man das so akzeptieren, oder gibt es eine Möglichkeit das Bild zu retten?

Mir sind 2 Methoden bekannt. Die eine wäre, man exportiert einfach beide Varianten und bastelt sie in Photoshop zusammen. Diese Methode ist allerdings nicht ganz einfach, aufwendig und man muss etwas tricksen und verliert auch ein paar Stellen vom Himmel. Im Prinzip ist es, als würde man 2 verschiedene Bilder zusammenbasteln.

Ich zeige hier eine relativ einfache Methode. Man muss aber dazu sagen, ohne Verluste und kleinere Kompromisse geht es nicht. Es sieht nie so schön aus wie in den Anfangsmonaten. Und je höher die Milchstraße steht, desto unschöner sieht es einfach aus.

Hier dann Methode 2 mit meinem Workflow.
Ich zeige aber nur das eigentliche ausbessern. Meine Techniken wie ich den Rest bearbeite, steht sehr ausführlich in meinem E-Book. Hier findest du Infos dazu, falls du es nicht schon kennst
( https://www.photonengrafie.com )

Als Ausgangsbild dient immer das mit den runden Sternen und dem schiefen Vordergrund. Diesen kann man glattbügeln. Wenn die Sterne matsch sind, ist es vorbei.
Wenn du eine Software wie Ptgui zum stitchen nutzt, solltest du dort solange schieben, bis die Sterne bzw. die Milchstraße schön aussieht. Zum ausrichten verwende ich Photoshop. Das Ganze sollte aber mit Gimp auch funktionieren. Mit Lightroom ist das leider nicht möglich. Zumindest ist mir keine Funktion bekannt.

  • Als erstes lädst du das Bild in Photoshop.
  • Mit „Strg-J“ würde ich die Ebene erstmal duplizieren. Vorher-Nachher und falls was schief geht.
  • Dann drückst du „Strg-T“ und wählst oben das Symbol „Verformen“. Alternativ mit der rechten Maustaste / Verformen.Ein Bild, das Elektronik, drinnen, Anzeige, Monitor enthält.

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  • Jetzt musst du dezent anfangen das Bild zu verformen. Ich mache das immer in mehren Stufen. Es geht sicherlich auch in einer. Ich persönlich bevorzuge, lieber dezent und öfter, da man so eine bessere Kontrolle und Überblick hat.
    An den roten Kreisen siehst du, wo ich überall gezogen und geschuppst habe.
    Ganz wichtig, immer das gesamte Bild im Auge behalten, das man nicht etwas zu stark verformt was dann seltsam aussieht. Vor allem wenn Gebäude, Autos, Menschen im Bild sind, muss man höllisch aufpassen. Eine schiefe Hauswand gefällt dem Auge gar nicht.

    Ein Bild, das Elektronik, Anzeige, Monitor, drinnen enthält.

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  • Jetzt croppe das Bild ein wenig, sodass man schon mal grob erkennt was aufs Bild soll. Also den unteren Rand schon mal etwas entfernen. Vielleicht brauchst du auch nicht alles auf der linken oder rechten Seite.
  • Dann kommt die 2. Runde Verformen dran.
    Man muss hier immer mit Gefühl arbeiten, um das Bild nicht zu zerstören. Wenn ich z.B. den rechten unteren Punkt nach unten ziehe, gehe ich danach hin und nehme einen Punkt aus dem unteren mittleren drittel und ziehen den ein stück nach oben. Um es wieder ein bisschen auszugleichen. Auch wenn sich die Milchstraße dann etwas verschiebt, gehe ich hin und suche mir dort einen Punkt und verforme Sie in die entgegengesetzte Richtung.
    Wie du am Ergebnis siehst, nähern wir uns so langsam.

Ein Bild, das Monitor, Computer, Elektronik, drinnen enthält.

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  • Was ich auch dazwischen gerne mache. Ich drücke wieder „Strg-T“ halte „Shift und Alt“ gedrückt und schiebe mit der Maus, das Bild etwas zusammen. So wird in diesem Bild der Berg wieder etwas nach oben gedrückt und die Milchstraße wirkt für mich etwas stimmiger. Und das Bild ist nicht mehr ganz breit. Danach natürlich noch mit dem Crop-Tool die Größe anpassen, bzw. die Ränder wegschneiden. Die sind ja doppelt.Ein Bild, das Elektronik, Monitor, Anzeige, drinnen enthält.

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  • Jetzt noch eine letzte Runde verformen und wir hätten die Basis für die weitere Bearbeitung.Ein Bild, das Elektronik, Monitor, drinnen, Anzeige enthält.

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Wie du siehst, kann man doch mit relativ einfachen Mitteln das Bild retten und ein ansehnliches Pano gestalten. Klar, es ist nicht perfekt, aber wenn man bedenkt wie schief das Bild war, ist das doch eine Runde Geschichte.

 

Hier dann jetzt noch mein fertiges Bild.

Ein Bild, das Natur, draußen, Berg enthält.

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Wenn dir das Tutorial gefallen hat, würde ich mich über ein Feedback freuen. Wenn es nicht gefallen hat, natürlich auch über konstruktive Kritik.

Liebe Grüße

 

Felix

4 Replies to “Komplette Milchstraßen Panos im Spätsommer. Geht das und wenn ja wie?”

  1. Reitbauer Klaus says:

    Ein sehr wichtiger und teilweise Entscheidender Punkt der Absolut auch in dein Buch rein sollte, das mit sehr gut weiterhilft.

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    1. fheisig says:

      Vielen Dank Klaus. Ich schaue mal was da zu machen ist. WEnn aber alles drin stehen würde, kann ich ja keine weiteren kleinen Tutorials machen 😉

      Antworten

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