Warum stehen da jetzt Ausrufezeichen anstatt Fragezeichen? Der Grund ist einfach, ich dachte eigentlich immer. Je mehr Belichtungszeit man sammelt desto besser am Ende das Bild.
Ist das aber wirklich bei jedem Objekt, oder auch an jedem Ort von dem man fotografiert so?
 

Für die letzten Tage war ja seit langem mal wieder viel Clear Sky angekündigt. Es wurden zwar nur leider so 2-3 Stunden pro Nacht, aber da will man sich nicht beschweren. Mein Plan war, die komplette Zeit für IC 443 bzw. den Quallennebel zu investieren. Natürlich schaut man dann direkt nach der ersten Nacht schon mal, was man so hat, macht einen Probe Stack, bearbeitet ein bisschen und freut sich oder auch nicht.
In der ersten Nacht kam ich so auf 2,5 Stunden, in der zweiten Nacht dann auf 3,5 und in der 3 nochmal 3 Stunden, allerdings habe ich mich da für Halpha-Aufnahmen entschieden.
 

Die grobe Bearbeitung von der ersten Nacht hatte ich immer noch in Photoshop geöffnet.
So freute ich mich jetzt nach Nacht Nr. 3, alles Mal zu vereinen. Ich habe sogar noch vom letzten Jahr 2 Stunden alte Aufnahmen gehabt, die ich noch mit in den Pott geworfen habe. Leider war der Ausschnitt etwas anders, so dass sehr viel beschnitten wurde.
Dann folgte die erste Ernüchterung. Ich sah fast keinen Unterschied.
 

Jetzt wollte ich es genauer wissen, und habe diverse Varianten beim Stacken versucht.
Für den Vergleich habe ich mich dann entschieden nur 1,5 Stunden für den erste Stack und 5,5 Stunden für den zweiten zu nehmen. Das war die besten Aufnahmen aus den beiden Nächten. Die Aufnahmen vom letzten Jahr, habe ich aufgrund fehlender Flats und anderem Ausschnitt mal weggelassen. Aber es waren ja doch mehr als 3x so viel. Da sollte doch was gehen.
 

Hier jetzt mal paar Daten und Ergebnisse:
Equipment: Nikon D5100a , TS65q, Azeg5, Mgen (Wer sich fürs Equipment interessiert finde hier  ein paar Informationen

Exifs: Iso 400 und 480sek pro Light
Darks, Bias und Flats

 

Mein Standort

Rhein-Main-Gebiet; Rechts im Bild ist Mainz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Vergleich:
Tonwertkorrektur und softer Stretch


Großansicht 1,5 Stunden Großansicht 5,5 Stunden
 

2. Vergleich:
Farbkalibrierung und aggresiver Stretch


Großansicht 1,5 Stunden Großansicht 5,5 Stunden
 
 

 

3. Vergleich:
Crop von der aggresiveren gestretchten Version


Großansicht 1,5 Stunden Großansicht 5,5 Stunden
 
 

 
4. Vergleich: Finale Version

Ich habe versucht die Bilder so gut es geht gleich zu bearbeiten. Leider ist das nicht immer möglich, da gerade bei der Gradationskurve schon kleinste Abweichungen zu anderen Ergebnissen führen.


Großansicht 1,5 Stunden Großansicht 5,5 Stunden
 
 

 

 
Meine Schlussfolgerung:

Ich weiß jetzt nicht wie du das siehst, aber ich finde die Unterschiede sind kaum sichtbar. Wenn man Stark reinzoomed, sieht man bei der längeren Belichtung vielleicht einen bisschen sauberen Hintergrund. Ob das aber jetzt wirklich an den längeren Zeiten liegt oder weil es mehr Bias oder Darks waren, weiß ich jetzt nicht.
Auch warum man da so wenige Unterschiede sieht, kann ich leider nicht sagen, dazu bin ich zu wenig Theoretiker und auch zu unerfahren. Meine Vermutung ist aber der Standort und das Objekt. Beim Pferdekopfnebel oder beim Orionnebel hat man doch schon deutlichere Unterschiede, wenn man sie verglichen hat. Diese beiden sind aber auch sehr dankbare Objekte und sind auch bei mir im Lichtverseuchten Rhein Main Gebiet schon auf den Einzelbildern zu sehen. Die Qualle allerdings ist auf den Lights, selbst auf einem 10min Light nur zu erahnen. Deshalb ist mein Schluss aus dieser Geschichte. Schöne Details und schwache Regionen sind in helleren Stadtrandgebieten einfach nicht sichtbar zu machen. Egal wie lange ich belichte.
 
Wenn dir der Beitrag gefallen hat, würde ich mich über Feedback sehr freuen, aber auch wenn du das anders siehst, würde ich mich freuen deine Meinung dazu zu hören, am besten sogar zu sehen.

 

 
Liebe Grüße
 

Felix

 

 

2 Replies to “Deep Sky Fotografie – Wieviel Belichtungszeit braucht man wirklich!!!!”

  1. Katja says:

    Hallo Felix,
    danke für den aufschlussreichen Vergleich! Es sind wirklich kaum Unterschiede zu erkennen – eigentlich frustrierend, wenn man bedenkt wieviel mehr Aufwand in die Aufnahmen geflossen ist! Aber andererseits zeigt es auch, dass man schon mit wenigen Aufnahmen tolle Ergebnisse erreichen kann – das finde ich klasse. Und die Aufnahme von Dir gefällt mir wirklich gut!
    LG, Katja

    Antworten
    1. fheisig says:

      Vielen Dank Katja,
      das war auch mein letzter Gedanke, so kann ich bei den wenigen Stunden doch mehr objekte ablichten 😉

      Antworten

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